Wespen und Hornissen – was nun?

Da öffnet man nichtsahnend die Tür vom Gartenschuppen und hört plötzlich ein Summen und Brummen, das es vorher im Schuppen nicht gab: kleine fliegende Untermieter sind eingezogen. Doch keine Sorge, das ist kein Grund zur Panik. 🙂

Wespen und auch Hornissen sind Mitbewohner, die nicht jeder schätzt. Beiden Arten haftet ein schlechter Ruf an: Wespen gelten als bösartige stechfreudige Biester, deren einziges Hobby es ist, Menschen zu ärgern, und Hornissen können mit wenigen Stichen sogar Pferde töten. Beides Blödsinn, solche Aussagen können Sie getrost ignorieren.

In Wirklichkeit sind sowohl Wespen als auch Hornissen sehr nützliche und hilfreiche Tiere, die wichtig für unser Ökosystem sind. Wussten Sie, dass ein einziges Wespenvolk bis zu 2 kg Insekten, darunter Stechmücken, Fliegen, Schnaken, Raupen, Maden und Blattläuse, am Tag fressen kann? Nebenbei gönnen sie sich auch ein paar Schlückchen Nektar und bestäuben damit Blüten, genau wie es die Honigbienen tun. In Deutschland gibt es über 500 Wespenarten, von denen Sie die meisten gar nicht bemerken. Von diesen vielen Wespenarten gibt es genau zwei, nämlich die gemeine Wespe (Vespula Vulgaris) und die deutsche Wespe (Vespula Germanica), die eine Vorliebe für Süßes haben, und deshalb gern mal am Kaffeetisch nachsehen, ob sie nicht was abstauben können. Die gesamte Wespenfamilie hat einen schlechten Ruf, weil zwei Familienmitglieder einfach nicht die Finger von Kuchen, Eis und Süßigkeiten lassen können.

Hornissen haben an Ihrer Kaffeetafel überhaupt kein Interesse, die sind ausschließlich auf der Suche nach Insekten, Fallobst und Pflanzensäften. Hornissen haben bloß das Pech, dass sie beim Fliegen so viel Krach machen, dass man das Gefühl bekommt, auf einem Hubschrauberlandeplatz zu stehen. Dabei sind die Tiere nicht nur nützlich, sondern auch sehr scheu und stechen nur, wenn man sie direkt angreift. Hornissen sind viel schüchterner als Honigbienen! 😉

Doch was können Sie nun tun, wenn Sie ein papierartiges Nest in grau (Wespen) oder braun (Hornissen) gefunden haben? Am besten lassen Sie es einfach in Ruhe. Im Herbst hat sich das Ganze eh von selbst erledigt, weil die Völker dann sterben. Wir empfehlen Folgendes:
1. Bleiben Sie ruhig, gehen Sie ein paar Schritte zurück und freuen Sie sich über einen mückenlosen Sommer!
2. Schlagen Sie nicht nach den Tieren und erst recht nicht nach dem Nest.
3. Vermeiden Sie stärkere Erschütterungen am Nest.
4. Blockieren Sie nicht die Flugbahn.
5. Spannen Sie etwas Absperrband in der näheren Umgebung und sagen Sie Ihren Kindern, dass sie den abgesperrten Bereich nicht betreten sollen.
6. Decken Sie Lebensmittel und Getränke im Freien ab.
7. Laufen Sie nicht barfuß zwischen Fallobst herum.
8. Pusten Sie die Tiere nicht an! Bienen, Wespen und Hornissen können extrem gut riechen und mögen es alle nicht, angeatmet zu werden (was verständlich ist – Stellen Sie sich einfach vor, Sie müssten in einer riesigen Wolke ausgeatmeter Luft nach einem leckeren Essen mit viel Knoblauch stehen, das würde Ihnen vermutlich auch nicht gefallen).
9. Zusatztipp für Wespen: Platzieren Sie ein paar süße Früchte (gern überreifes Obst), ein Stückchen Kochschinken oder ähnliches an einer Stelle, die 5 bis 10 Meter von ihrer Kaffeetafel entfernt ist. Füllen Sie das Buffet immer mal wieder auf. Dann können Sie in Ruhe essen und die Wespen ebenfalls.

Machen Sie auf keinen Fall das Nest kaputt! Sämtliche Hornissen und Wespen (ja, auch der kleine Zucker-Junkie) stehen unter strengem Naturschutz! Eigenmächtiges Entfernen von Nestern oder Störungen der Tiere können richtig teure Strafen nach sich ziehen, in einigen Bundesländern bis zu 50.000,- Euro.

Sollte das Nest aber an einer Stelle sitzen, die so ungünstig ist, dass Sie nicht bis zum Herbst warten können, holen Sie sich einen Profi. Oft ist es möglich, das Volk an eine andere Stelle umzusiedeln. Die Umsiedelung oder Entfernung von Wespen- oder Hornissenvölkern muss von einer Person durchgeführt werden, die dafür ausgebildet ist. Imkerinnen und Imker mögen zwar geflügelte Insekten, sind damit aber nicht automatisch umsiedelungsberechtigte Personen. Wir haben dafür im Kreisgebiet aber einige Experten, die Sie beraten und im Zweifelsfall auch tätig werden können. Ansprechpartnerin bei der Abteilung Naturschutz des Kreises ist Frau Miller (Telefon 04541 – 888 490), die Wespen-/Hornissenexperten finden Sie auf der zweiten Seite des nachfolgenden Infoflyers des Kreises.